{"id":177,"date":"2011-02-16T18:14:43","date_gmt":"2011-02-16T16:14:43","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturpro.wordpress.com\/?p=177"},"modified":"2011-02-16T18:14:43","modified_gmt":"2011-02-16T16:14:43","slug":"aus-fur-open-source-im-auswartigen-amt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/newsic.net\/kulturpro\/?p=177","title":{"rendered":"Aus f\u00fcr &#8222;open source&#8220; im Ausw\u00e4rtigen Amt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Dank Markus Beckedahl und seiner empfehlenswerten Webseite <a href=\"http:\/\/netzpolitik.org\" target=\"_blank\">netzpolitik.org<\/a> ist dieser Artikel \u00fcber interne Dokumente des Ausw\u00e4rtigen Amtes zur \u00c4nderung der Open-Source-Strategie entstanden:<\/p>\n<h3 style=\"text-align:justify;\"><a rel=\"bookmark\" href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2011\/interne-dokumente-des-auswartigen-amtes-zur-anderung-der-open-source-strategie\/\" target=\"_blank\">Interne Dokumente des Ausw\u00e4rtigen Amtes zur \u00c4nderung der Open-Source-Strategie<\/a><\/h3>\n<p style=\"text-align:justify;\">von markus um 16:27 am Mittwoch, 16. Februar 2011 <a title=\"Kommentiere Interne Dokumente des Ausw\u00e4rtigen Amtes zur \u00c4nderung der Open-Source-Strategie\" href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2011\/interne-dokumente-des-auswartigen-amtes-zur-anderung-der-open-source-strategie\/#comments\">| 4 Kommentare<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2011\/strategiewechsel-im-auswartigen-amt-100-mio-euro-fur-microsoft\/\">Wir hatten bereits dar\u00fcber berichtet<\/a>,  dass das Ausw\u00e4rtige Amt unter Minister Westerwelle Abschied von der  erfolgreichen Freie Software \u2013 Strategie der vergangenen Jahre nimmt und  wieder verst\u00e4rkt auf Herstellerabh\u00e4ngigkeit und weniger offene  Standards setzen will. Die Nachricht hat deswegen viele \u00fcberrascht, weil  gerade das Ausw\u00e4rtige Amt als Vorreiter galt und auch in den  vergangenen Jahren <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2007\/vorbildlich-geld-sparen-mit-freier-software-im-auswaertigen-amt\/\" target=\"_blank\">regelm\u00e4\u00dfig Erfolgsstories<\/a> \u00fcber den Einsatz Freier Software in der \u00d6ffentlichen Verwaltung  lieferte. Andererseits waren viele nicht \u00fcberrascht, hatte sich doch  gerade die auf \u201cFreiheit\u201d setzende FDP nie wirklich mit den Potentialen  von Freier Software auseinandergesetzt (Wenige Ausnahmen wie der  Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz best\u00e4tigen die Regel). Und  Microsoft-Mitarbeiter waren gern gesehene G\u00e4ste und Sprecher auf  IT-relevanten Veranstaltungen der FDP und ihrer  Friedrich-Naumann-Stiftung.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Vergangene Woche <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2011\/bundesregierung-zartes-bekenntnis-zu-proprietarer-software\/\">bloggte bereits Joerg-Olaf Schaefers bei uns<\/a> \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.oliver-kaczmarek.de\/wp-content\/uploads\/KA-17_4567.pdf\">Antwort der Bundesregierung<\/a> (PDF) auf Fragen der SPD-Fraktion zum Strategiewechsel.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Daraufhin fanden wir in unserem Briefkasten verschiedene Datens\u00e4tze,  die etwas Einblick in die Hintergr\u00fcnde liefern. Dazu z\u00e4hlt u.a. ein 300  Seiten umfassender Bericht zur Bewertung der Open-Source-Strategie, die  das Ausw\u00e4rtige Amt im Jahr 2009 bei McKinsey in Auftrag gegeben hat (Im  weiteren Verlauf \u201cOrganisationsuntersuchung\u201d genannt). Dort wird die  Strategie best\u00e4tigt und Empfehlungen f\u00fcr einen weiteren Erfolg gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Der Strategiewechsel im Ausw\u00e4rtigen Amt wurde bereits im vergangenen  Jahr eingeleitet, nicht lange nach dieser Organisationsuntersuchung. <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/wp-upload\/AAmt-1-Organisationsuntersuchung-20091211-Mitarbeiterunterric.pdf\">In einer Hausmitteilung (PDF)<\/a> von Dr. Michael Gro\u00df (Referatsleiter IT) an alle Mitarbeiter wurde Ende  2010\/Anfang 2011 bekannt gegeben, dass der Strategiewechsel in Richtung  Windows auf die Clients bereits im vergangenen Sommer entschieden  wurde:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cDies Hausleitung hat daher im August 2010 die  Entscheidung getroffen, dass wir bei den Arbeitsplatzrechnern wieder zu  einem Microsoft Ansatz schwenken. [&#8230;] Konkret werden wir in 2011 jene  Arbeitseinheiten der Zentrale und der Auslandsvertretungen, die derzeit  mit Linux arbeiten wieder auf das vertraute Windows XP Betriebssystem  umstellen. Das trifft auf etwa 3.000 Anwender zu. [&#8230;] Die erste  Vertretung ist bereits umgestellt, ebenso viele Arbeitseinheiten in  Bonn. [&#8230;] Windows XP ist dann die einheitliche Basis f\u00fcr den  eigentlichen Schritt zu einem neuen Windows 7 und Office 2010 (Word,  Excel, PowerPoint) sowie Outlook als neuem Mailsystem mit integrierter  Kalender- und Kontaktefunktion. Dieses Gesamtprojekt l\u00e4uft seit  September 2010.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:justify;\">In der Beantwortung der kleinen Anfrage liest sich das so:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cUnter diesen Aspekten konsolidiert das Ausw\u00e4rtige Amt  seine derzeitige IT-Landschaft. Je nach zu erf\u00fcllender Anforderung wird  die passende L\u00f6sung zun\u00e4chst bei den in der Bundesverwaltung  standardisierten Anwendungen gesucht.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:justify;\">(Was mich bei dieser Antwort verwundert, ist die Verwendung des  Begriffs \u201cstandardisierten Anwendungen\u201d. Mir war bisher nicht bekannt,  dass die Bundesverwaltung bestimmte Softwarel\u00f6sungen als Standard  festgelegt hat. Aber ich lass mich hier gerne mit Quellen widerlegen).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Interessant ist auch die Beantwortung der Frage 9 in der kleinen Anfrage nach den m\u00f6glichen Kosten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cEs entstehen keine mittelbaren Kosten, im Gegenteil,  durch die Einf\u00fchrung von standardisierten Software-Produkten und die  Nutzung von im Bund bereits vorhandenen Softwarel\u00f6sungen sowie  Hardwareproduktpaletten werden Effizienzgewinne (insbesondere im  Hardwarebereich und bei nachfolgenden Betreuungsaufgaben) erwartet.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:justify;\">Das wundert uns etwas, wenn wir uns die dazu passenden Papiere  anschauen. In einer zweiten McKinsey \u2013 Studie f\u00fcr das AA (19. M\u00e4rz 2010 =  Clientroadmap), die netzpolitik.org in Ausz\u00fcgen vorliegt, steht im  Fazit:<\/p>\n<blockquote><p>\u2013 Linux single boot \u201cAuch nach detailierter Analyse  gangbarer Weg, bei dem verst\u00e4rkt gegen die vorhandenen Nutzervorurteile  angek\u00e4mpft werden muss\u201d.<br \/>\n\u2013 Linux\/Windows dual boot \u201cKompromissl\u00f6sung, die die Vision von Linux  auf dem Desktop aufrecht erh\u00e4lt, aber gleichzeitig Nutzeranforderungen  besser ber\u00fccksichtigt.<br \/>\n\u2013 <strong>Windows single boot \u201cTechnisch m\u00f6glich und aus Nutzersicht  attraktiv, jedoch teuer, aufw\u00e4ndig und als Schritt schwer vermittelbar. <\/strong><br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nNachteile Windows-Single Boot:<\/p>\n<p>\u2013 180-Grad-Kehrtwende f\u00fcr IT des AA: hohe Change-Aufw\u00e4nde, Risiko  von Know-How-Verlust, herausfordernde Kommunikation (intern und extern)<br \/>\n\u2013 Vorreiterrolle und Alleinstellungsmerkmal f\u00e4llt weg; der  \u201cOptionswert\u201d von Linux auf dem Desktop f\u00fcr das AA und gesamten Bund  geht verloren<br \/>\n\u2013 <strong>Mittelfristig signifikante Lizenz- und Migrationskosten<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:justify;\">In der Beantwortung der Frage 10 der kleinen Antwort wird auf die   \u201cOrganisationsuntersuchung\u201dverwiesen. Wir haben davon nur den <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/wp-upload\/AAmt-1-Organisationsuntersuchung.pdf\">Teil, der explizit die Open-Source-Strategie betrifft, online gestellt (PDF)<\/a>,  weil das sehr interessant ist und unsere Leser vielleicht noch mehr  daraus ziehen k\u00f6nnen als wir. In der angef\u00fchrten  Organisationsuntersuchung stehen u.a. folgende Punkte:<\/p>\n<blockquote><p>&#8211; Empfehlung der Organisationsuntersuchung Microsoft Office abzuschaffen:<\/p>\n<p>\u201cZun\u00e4chst ist es wichtig die interne Homogenit\u00e4t in der  Office-Landschaft zu f\u00f6rdern, um so den Datenaustausch innerhalb des  Ausw\u00e4rtigen Amts zu optimieren und zumindest hier Formatierungsverlusten  vorzubeugen. Die heute noch standardm\u00e4\u00dfige Installation von Microsoft  Office auf den Linux-Desktops in einer virtuellen Box (zuk\u00fcnftig ggf.  Terminalserver) sollte abgeschafft oder zumindest nicht mehr automatisch  freigeschaltet werden.\u201d<\/p>\n<p>&#8211; ODF Standard h\u00e4rter durchsetzen:<\/p>\n<p>Bei den Kontaktpunkten, bei denen dies rechtlich oder anderweitig  m\u00f6glich ist, sollte der im eigenen Haus verwendete Standard  durchgesetzt werden. Beh\u00f6rden in Deutschland und der EU sind  gr\u00f6\u00dftenteils dazu verpflichtet, ODF zu unterst\u00fctzen; gegen\u00fcber  Dienstleistern sollte dies in Vertr\u00e4gen eingefordert werden.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:justify;\">Wir halten fest: Eines der Hauptmotive f\u00fcr den Umstieg auf Microsoft  Windows und -Office sollen Inkompatiblit\u00e4ten zwischen dem offenen  Datenformat ODF von OpenOffice und dem Datenformat von Microsoft Office  sein. Man k\u00f6nnte auch ODF \u201ch\u00e4rter durchsetzen\u201d, um dem Anspruch der  Bundesverwaltung zu erf\u00fcllen, mehr auf Interoperabilit\u00e4t und Offene  Standards zu setzen. Dass man dies nicht macht und eine erfolgreiche  Unabh\u00e4ngigkeits-Strategie aufgibt, kann man dann wohl als  Bankrotterkl\u00e4rung bezeichnen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Wir haben Matthias Kirschner von der <a href=\"http:\/\/www.fsfeurope.org\/\">Free Software Foundation Europe<\/a> um eine Bewertung gebeten:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cDie Bundesregierung verstellt der \u00d6ffentlichkeit den  klaren Blick auf den Strategiewandel im Ausw\u00e4rtigen Amt. Es ist zu  bezweifeln, dass ernsthaft versucht wurde die Freie-Software-Strategie  im Ausw\u00e4rtigen Amt umzusetzen. Dabei zeichnet sich ein bekanntes Muster  ab: Viele \u201cberatende\u201d Unternehmen profitieren \u00fcberdurchnittlich bei  propriet\u00e4rer Sofware und verfolgen daher bei Einf\u00fchrung Freier Software  eine Strategie des doppelten Bodens. Zun\u00e4chst wird bei dem \u201cVersuch\u201d der  Umstellung beraten. Dann bei der Abkehr von dem \u201cVersuch\u201d und der  \u201cRettung\u201d \u00fcber das propriet\u00e4re Standardportfolio. Die Kosten daf\u00fcr  tragen in der \u00f6ffentlichen Verwaltung die B\u00fcrger. Dar\u00fcberhinaus wird die  lokale Wirtschaft gesch\u00e4digt, die nur bei anbieterunabh\u00e4ngiger Freier  Software wirklich gleichbereichtigt mitbieten kann.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align:justify;\">Wir haben in den vergangenen Tagen viele kleine Puzzlest\u00fccke mit  Informationen aus verschiedenen Quellen erhalten. Um diese weiter  zusammen zu setzen und die genauen Hintergr\u00fcnde f\u00fcr den Strategiewandel  zu dokumentieren, freuen wir uns selbstverst\u00e4ndlich \u00fcber weitere  Insider-Informationen. Dazu z\u00e4hlen auch Infos, welche Lobby-Gruppen und  -Agenturen f\u00fcr Microsoft hinter den Kulissen aktiv sind.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Gleichzeitig haben wir zur Dokumentation einen Teil der uns  vorliegenden Originalquellen ver\u00f6ffentlicht, damit Ihr Euch diese auch  anschauen k\u00f6nnt und uns Bescheid zu geben, wenn wir interessante Details  \u00fcbersehen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><a title=\"Link zum Originalartikel\" href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2011\/interne-dokumente-des-auswartigen-amtes-zur-anderung-der-open-source-strategie\/\" target=\"_blank\">Quelle: Link zum Originalartikel bei netzpolitik.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank Markus Beckedahl und seiner empfehlenswerten Webseite netzpolitik.org ist dieser Artikel \u00fcber interne Dokumente des Ausw\u00e4rtigen Amtes zur \u00c4nderung der Open-Source-Strategie entstanden: Interne Dokumente des Ausw\u00e4rtigen Amtes zur \u00c4nderung der Open-Source-Strategie von markus um 16:27 am Mittwoch, 16. 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