{"id":153,"date":"2010-12-14T13:58:43","date_gmt":"2010-12-14T11:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturpro.wordpress.com\/?p=153"},"modified":"2010-12-14T13:58:43","modified_gmt":"2010-12-14T11:58:43","slug":"als-gattin-und-mutter-zu-weihnachten-an-der-front-bei-den-soldaten-eine-anmerkung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/newsic.net\/kulturpro\/?p=153","title":{"rendered":"\u201eals Gattin und Mutter zu Weihnachten an der Front bei den Soldaten\u201c \u2013 eine Anmerkung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Von <a title=\"Link zum Artikel im Blog von Ulrich Kasparick\" href=\"http:\/\/ulrichkasparick.wordpress.com\/2010\/12\/14\/als-gattin-und-mutter-zu-weihnachten-an-der-front-bei-den-soldaten-eine-anmerkung\/\" target=\"_blank\">Ulrich Kasparick<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-156\" title=\"Stephanie zu Guttenberg \u00a9Wikipedia\" src=\"http:\/\/newsic.org\/kulturpro\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/427px-guttenberg_buchmesse.jpg?w=213\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/newsic.net\/kulturpro\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/427px-guttenberg_buchmesse.jpg 427w, http:\/\/newsic.net\/kulturpro\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/427px-guttenberg_buchmesse-213x300.jpg 213w\" sizes=\"(max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/>Was vollzieht sich in unserem Lande gerade?<br \/>\nWir sehen einen jungen konservativen Minister (CSU) in Begleitung seiner  Gattin bei deutschen Soldaten, die nach Ansicht des Ministers in  Afghanistan \u201ein kriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden\u201c stehen.<br \/>\nEs handelt sich also um einen Frontbesuch.<br \/>\nZu Weihnachten.<br \/>\nDie Frau des Ministers begr\u00fcndet ihre Teilnahme an der Reise: sie wolle  \u201eals Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten\u201c sein.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Ich werde aufmerksam.<br \/>\nDiese Kl\u00e4nge kenne ich.<br \/>\nVon Goebbels.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Was Stephanie zu Guttenberg hier in die Mikrofone s\u00e4uselt, soll  freundlich klingen. So famili\u00e4r irgendwie. Auch irgendwie harmlos. Nett  eben.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Doch ich frage mich: was vollzieht sich da grade im Lande? Was schleicht sich da ein in die Spa\u00dfgesellschaft?<br \/>\nWas erlaubt sich der junge Minister da eigentlich, der im Moment von den Sympathien des Volkes getragen wird?<br \/>\nAbgeordnete, die im Januar zu entscheiden haben, k\u00f6nnen Kundus nicht  besuchen, aber die \u201eGattin und Mutter\u201c, die \u00fcber keinerlei Mandat  verf\u00fcgt, darf?<br \/>\nDas ist kein Zufall.<br \/>\nHier geht es um die richtigen Bilder.<br \/>\nDie einen \u201ejungen aufstrebenden Politiker\u201c st\u00e4rken sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Da\u00df ein \u201ejunger aufstrebender Politiker\u201c von den Sympathien des  Volkes getragen wird, ist kein Zeichen von Qualit\u00e4t. Das eine l\u00e4sst sich  nicht aus dem andern ableiten.<br \/>\nWir kennen aus unserer Geschichte zahlreiche Beispiele, bei denen \u201ejunge  aufstrebende Politiker\u201c ebenso \u201evon den Sympathien des Volkes\u201c getragen  wurden. Nicht immer zum Wohle des Volkes.<br \/>\nDoch das merkte man erst sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Dass die Frau des Ministers kein Mandat hat, ist hinl\u00e4nglich diskutiert worden.<br \/>\nWas also tut sie an der Front?<br \/>\nSie will \u201eals Gattin und Mutter\u201c bei den Soldaten sein.<br \/>\nSagt sie.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Man darf von ihr erwarten, da\u00df sie \u00fcberlegt, was sie sagt.<br \/>\nDenn schlie\u00dflich ist die Reise gut vorbereitet worden. Insbesondere in Bezug auf die Presse.<br \/>\nDie Worte werden also gewogen.<br \/>\nUnd die Wirkung der Worte kalkuliert.<br \/>\nDie Sprache der Bilder ebenso.<br \/>\nNichts ist dem Zufall \u00fcberlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Es soll harmlos wirken. Irgendwie privat. Menschlich eben.<br \/>\nDie armen Jungs, die da zu Weihnachten ihren Dienst tun m\u00fcssen!<br \/>\nDa passt es gut, wenn die \u201eGattin und Mutter\u201c mal nach den Jungs schaut,  die da ihren Buckel hinhalten f\u00fcr die Freiheit des Volkes\u2026..<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Nun verh\u00e4lt es sich allerdings so, da\u00df die Formulierung von der  \u201eGattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten\u201c eine Geschichte hat  in Deutschland.<br \/>\nEine sehr unr\u00fchmliche.<br \/>\nDenn die Nationalsozialisten verstanden es auf perfide Weise, gerade in  den Weihnachtstagen! die Rolle der Frau als \u201eGattin und Mutter\u201c  anzusprechen und f\u00fcr ihre Propaganda zu missbrauchen.<br \/>\nDicke kluge B\u00fccher sind \u00fcber dieses Thema geschrieben worden.<br \/>\nDie Frau als \u201eGattin und Mutter\u201c hatte eine zentrale Funktion in der Propaganda.<br \/>\nUnd in der Propaganda kommt es auf die Wirkung der Bilder an. Und auf die Worte, die in der Zeitung stehen.<br \/>\nAm besten wirken bewegte Bilder: Film eben.<br \/>\nDas muss man bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Nun kann man Stephanie zu Guttenberg Ahnungslosigkeit und Harmlosigkeit unterstellen. So weit will ich nicht gehen.<br \/>\nMan kann die ganze Angelegenheit unter \u201ecoole Aktion\u201c verbuchen, wie es  jemand auf facebook getan hat, der dem Minister politisch nahe steht.<br \/>\nMan kann alle diejenigen, die den Besuch kritisieren, als \u201eGutmenschen\u201c  abtun, man kann sich gar am Protest aus der Opposition erg\u00f6tzen und  \u201eKlasse! Coole Aktion!\u201c rufen und argumentieren \u201eder Erfolg gibt dem  Minister Recht\u201c. Gemeint ist der mediale Erfolg.<br \/>\nDenn politisch ist gar nichts gekl\u00e4rt in Afghanistan.<br \/>\nIm Januar wird das Parlament erneut zu entscheiden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Seien wir aber gutwillig.<br \/>\nUnterstellen wir Stephanie zu Guttenberg <strong>nicht<\/strong>, da\u00df sie ahnungslos und unbedacht ist.<br \/>\nNehmen wir an, sie sei eine kluge Frau, die sehr genau wei\u00df, was sie sagt und was sie tut.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Dann muss man fragen: Was bedeuten ihre Worte?<br \/>\nWelche Funktion haben sie? Was ist ihre Botschaft?<br \/>\nWie \u201eklingen\u201c diese Worte in der Bev\u00f6lkerung?<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Wie klingt dieses \u201eals Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten\u201c?<br \/>\nEs soll Gef\u00fchle ansprechen.<br \/>\nJa klar, was sonst.<br \/>\nInstinkte.<br \/>\nDer M\u00fctterlichkeit, der Besorgnis um die \u201eJungs\u201c im fernen Lande.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Eben jene m\u00fctterlichen Impulse wusste Propaganda schon immer und in allen Kriegen zu bedienen.<br \/>\nDa wurden Str\u00fcmpfe gestrickt im Kriegswinter; da wurden \u201ePakete aus der  Heimat\u201c gepackt zu Weihnachten; da wurde \u2013 in einer Ringschaltung  bislang technisch einmalig und zur damaligen Zeit eine Sensation \u2013 zu  Weihnachten 1940 vom Nordkap bis nach Afrika \u201eStille Nacht, heilige  Nacht\u201c gesungen \u2013 alles wohl kalkuliert und fein \u00fcberlegt.<br \/>\nWegen der Wirkung auf die Gef\u00fchle.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Was also soll die Rede von der \u201eGattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten\u201c?<br \/>\nEs geht um weit mehr als eine harmlose, private Freundlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Es geht um Politik.<br \/>\nUnd es geht um die Sprache der Bilder.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Dieser Besuch soll die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung in Deutschland beeinflussen.<br \/>\nDie Kritik am Afghanistan-Einsatz soll gemindert werden. Schlie\u00dflich hat  das Parlament kurz nach den Feiertagen erneut abzustimmen \u00fcber eine  erneute Verl\u00e4ngerung des Mandats.<br \/>\nDer Zeitpunkt der Reise ist g\u00fcnstig gew\u00e4hlt.<br \/>\nDie Menschen sind ohnehin eher milde gestimmt zum Fest.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Da\u00df diese Reise eine Mi\u00dfachtung des Parlaments ist, ist hinl\u00e4nglich  diskutiert worden. Denn etliche Abgeordnete, die zu entscheiden haben,  durften bislang nicht dorthin reisen.<br \/>\nAber eine Frau ohne Mandat.<br \/>\nWeil ihr Mann das so entschieden hat.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Er ist frei, zu w\u00e4hlen, wer ihn begleiten soll.<br \/>\nAber er hat die Wirkung zu bedenken.<br \/>\nUnd er hat sie bedacht.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Teilnahme der jungen \u201eGattin und Mutter bei den Soldaten zu Weihnachten\u201c war sorgf\u00e4ltig kalkuliert.<br \/>\nDie Kritik der Opposition inklusive.<br \/>\nWorauf der konservative Minister abzielt, der im Moment von einer Welle  der Sympathie im Volke getragen wird \u2013 glaubt man den Umfragen -: er  will \u201edas Volk\u201c wieder enger mit den Soldaten verbinden. Er will ihre  Gef\u00fchle ansprechen. Er will \u201edas Volk\u201c wieder mehr zum Unterst\u00fctzer der  Soldaten werden lassen \u2013 die Kritik am Afghanistan-Einsatz geht ihm  schlicht zu weit.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Da passt der Besuch der \u201eGattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten\u201c perfekt.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Nur: es handelt sich um Propaganda.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Deshalb, Frau zu Guttenberg, da\u00df Sie als Gattin zu Propagandazwecken ihren Gatten st\u00fctzen wollen, kann ich verstehen.<br \/>\nAber verrichten Sie bitte Ihre Propaganda nicht auf dem R\u00fccken der Soldaten\u2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ulrich Kasparick Was vollzieht sich in unserem Lande gerade? Wir sehen einen jungen konservativen Minister (CSU) in Begleitung seiner Gattin bei deutschen Soldaten, die nach Ansicht des Ministers in Afghanistan \u201ein kriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden\u201c stehen. 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